16.5.2013
Am Frühabend kamen die Leichenträger und Überführer aus Kiel. Vier Stunden Verspätung, Unfall wohl und Stau, sehen aber TipTop aus, Theaterschminke nichts dagegen: Augenbrauenstift, Wangenrot, Puder, Duftwässerchen und nicht die Miene verziehen, auf gar keinen Fall – Kaffeangebot schon quasi Beleidigung.
Mutter dann von Bett auf Bahre auf Rollwagen, Rollwagen Treppe runter, Treppe steil, Arbeit beengt und schwer – bloss nicht schnaufen. Endlich die offene Strasse, Leichenwagentür auf – moderne Technik lässt Leiche und Bahre sanft ins edelgrau ausgeschlagene Innere gleiten – aber da klemmt was, ja was denn, geht ja gar nicht, Mist, Füsse zuerst oder Kopf, mal rumdrehen, Mist, jetzt total verklemmt, also Stahlgerüst dekonstruieren, Hammer nehmen, Amok laufen, halbe Stunde performativer Totalzusammenbruch.
Autofahrer hupen, Dorfgemeinschaft peinlich berührt, auch Fensterkissen rausgeholt, Angehörigen sitzt was hysterisch in der Kehle – unkontrolliertes Lachen in feixende Hilflosigkeit gerade noch transformiert. Der Toten hätt’s gefallen wohl, das Schauspiel.
3.4.2013
“Du kannst gern den Test machen. Ich kann Dir aber gleich sagen: Du bist es. Es sieht genauso aus wie du.”
…
“Hallo?”
Komm jetzt! Los jetzt! Komm schon weiter! Warum muss ich dich immer hinterherschleifen!!! Nun komm schon. Weg da! Los jetzt, Berta!
Verdammt. Ich bin doch keine Damentoilette. Was bilden die sich überhaupt ein!
Los, komm jetzt, Köterchen, komm schon. Wir müssen weiter. Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit, komm schon.
Nun komm schon weiter, ist ja gut. Los jetzt! Na gut, dann mach’s halt tot, von mir aus. Ist doch nur einer mit ner Matratze auf dem Rücken. Krebsgang, Rückwärtsgang, Vorgeschichte, Herrgott, Sakrament und Absolution. Studenten! Buckel, buckel. Palliativsalbe. Arschloch. Wie sieht der überhaupt aus. Verstopfen die Pfandautomaten, haben keine Sorgen, häuten sollte man die.
Nun komm schon, der Stein weint ja schon! Wo du nur immer deine Aggression hernimmst, hab ich dir doch nicht beigebracht, komm beiss rein, so ist’s gut. Scheisse, was ist das denn. Die Kotze ist ja ganz blutig. So eine Sauerei. Das schöne Kopfsteinpflaster. Sieben Tage verlegt.
Zimmer 310, wundgelegt. Würd ich auch nicht wollen. Nicht, Berta, wir bleiben schön Zuhause und sterben da. Nun komm schon, sonst kommen wir zu spät.
Liebe VeranstalterInnen im autonomen JUZ Tübingen,
ich habe nach dem Auftritt mit meiner Punkband am letzten Samstag meine Zeichenstifte bei euch vergessen, ich glaube am Mischpult. Vielleicht könnt ihr einmal nachsehen und falls ihr sie findet, an mich senden?
Sie befinden sich in einer Blechbüchse, in die ‘Deutschland über alles’ eingekratzt ist. Wenn ihr die Dose aufklappt, seht ihr einen Radiergummi mit Adolf Hitler drauf.
Vielen Dank schonmal für eure Mühe,
A.
18.3.2013
Besser ein Schlüpfer in der Hand als eine Taube auf dem Dach
Im Verlauf der Dreharbeiten war er mit der blonden Perücke der Hauptdarstellerin zunehmend unzufrieden. Da bereits etliche Szenen gedreht waren, war es zu diesem Zeitpunkt aber bereits zu spät für eine Änderung der Haartracht.





